Aus dem Marktgemeinderat – Richard-Strauss-Festival 2020 gesichert – aber zu welchen und auf wessen Kosten ?

Liebe Freunde,

„Kempe“ schreibt dazu in der Online-Ausgabe unseres Leib- und Magenblattes „Nicht meine Musik“. Das mag einigen von Ihnen ebenso gehen.

Die für mich als Mitglied des Marktgemeinderats entscheidende Frage ist, was das Festival unserem Ort, dem Landkreis und Bayern bringt? Dafür gibt es ein wichtiges Argument nämlich Renommée bei einer internationalen Klientel, die Richard Strauss‘ Musik mag und diese mit Garmisch-Partenkirchen verbindet.

Das Problem ist: Die Veranstalterin des Festivals, und das ist Marktgemeinde mit der GaPa-GroKo an der Spitze, hat es weder 2018 (€ 69.000 Minus), noch 2019 (€ 105.000 Minus) geschafft, ausgeglichene Zahlen zu präsentieren.

Dabei wurde 2019 jeder Euro, der aus dem Ticketverkauf erlöst wird, mit € 4,85 vom Steuerzahler subventioniert. Macht € 698.000 Subventionen, davon laut Plan € 330.000 von der Marktgemeinde und on top wegen erwirtschafteter Defizite weitere € 105.000 aus der klammen Gemeindekasse. Dieses Defizit schob der Intendant, Dr. Alexander Liebreich, in der Marktgemeinderatssitzung am 19.12.19 auf geradezu schicksalshafte Umstände. In der Tat hatte das Festival zwei unglückliche Personalausfälle in diesem Jahr zu beklagen.

Doch zum Sitzungsverlauf am 19.12.19:

Die GaPa-GroKo sorgte einvernehmlich für das richtige Intro:

Zu den Klängen von „Also sprach Zarathustra“ wurden Adlerschwingen über unseren Bergen und sehr attraktive und ansprechende Sängerinnen mit und ohne Migrationshintergrund auf die Stirnwand des Rathauses projiziert. Wer wollte jetzt noch etwas kritisch sagen?

Dann fuhr die GaPa-GroKo sicherheitshalber noch die ausschließlich männliche Phalanx der Münchner Experten auf.
Ex Kunst- und Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) („Ich habe 42 Jahre Erfahrung“) und Florian Streibl, Kreisrat und Vorsitzender der Freien Wähler im Maximilianeum, sprachen sich vehement für das Richard-Strauss-Festival aus. Sie waren aber leider weder bereit, einen Cent mehr an Subventionen lockerzumachen, oder, wie ich gefordert habe, das geschäftliche Risiko des Veranstalters zu übernehmen.

Unsere Bürgermeisterin mit vollem Einverständnis der CSU gab beiden (und sich selbst: „Ich muß hier richtigstellen…“) unbegrenzte Redezeiten, während wir örtliche Mitglieder des Marktgemeinderats brav auf unseren Platz auf der Rednerliste warteten.

Wer wagte, da noch zu widersprechen?

Doch: Franz Grasegger (Bayernpartei) meinte, anderen Veranstaltern von Kulturveranstaltungen wie beispielsweise unsere Festwochen wäre nach solchen Defiziten längst gekündigt worden.

Dafür bekam er sofort überheblichen Zunder. Dr. Meierhofer: „Vielleicht wissen es die Herren aus München nicht. Herr Grasegger meint mit den Garmischer und Partenkirchner Festwochen vulgo (!) Bierzelt“. Anmerkung des Verfassers: Möglicherweise mochte Richard Strauss unsere Traditionen, zumindest ließ er sich von diesen inspirieren.

Nachdem anschließend Dr. Liebreich vermuten ließ, daß er viel lieber Eintrittskarten verkaufen und das Weihnachtsgeschäft mitnehmen wolle, als im Marktgemeinderat Rede und Antwort zu stehen („Ich habe kaum noch Nachtruhe“), erlaubte ich mir zu bemerken, daß wir zu dieser Sondersitzung zusammenkommen, weil die Veranstalterin nur Defizite erwirtschafte.

Nun bereits gestern hat der Vorverkauf begonnen.

Das CSB brachte einen mutigen Antrag, nämlich Ettal als Veranstaltungsort fallen zu lassen – wie ich finde zurecht, denn weder die Erzdiözese noch der Kreistag schießen einen Cent dazu -, um diesen dann wieder zurückzuziehen. Das ehemalige Bürgermeisterwahlbündnis drehte also brav bei.

Nach mutigen Worten an die Adresse des Landtags, fiel auch Dr. Thiel (Grüne/Bündnis 90) um.

Nun soll es GaPa Tourismus wirtschaftlich richten. Ich halte die neue GmbH mit dieser Aufgabe für überfordert, weil sie sich mitten im Umbruch befindet. Und „Funkelland“, die erste Duftmarke, die dieses neue GaPa Tourismus gesetzt hat, scheint nun auch nicht die Charts zu stürmen.

Mein Fazit:

„Kempe“ hat Recht. Über Geschmack darf man nicht streiten.

Kultur schließt selbstverständlich unsere Traditionen ein. Franz Grasegger hat vollkommen recht.

„Also sprach Zarathustra“ zumindest gefällt mir gewissermaßen als Top of the Classic Pops.

Als Mitglied des Marktgemeinderats meine ich, daß es dem Festival guttäte, kleiner zu sein. Denn € 435.000 Subventionen allein in 2019 aus der Gemeindekasse sind angesichts heruntergewirtschafteter Schulen für unsere chronisch unterfinanzierte Marktgemeinde definitiv zu viel. Nur so viel dazu: Vom schlechten Zustand der Gröbenschule habe ich mich erst am 18.12.19 überzeugt.

Besser wäre es, der Freistaat wird Veranstalter und übernimmt also das geschäftliche Risiko, und wir Garmisch-Partenkirchner zahlen eine fixe Summe.

Wir haben dringenden Handlungsbedarf. Dazu gehört nicht, das wirtschaftliche Risiko des Richard-Strauss-Festivals zu übernehmen, sondern wir müssen in unsere Jugend und ihre Schulen zu investieren. Das ist unsere Zukunft.

Mit herzlichen Grüßen
Martin Schröter.


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