Nazi-Unrecht wiedergutmachen – die Würde von Partenkirchens Ehrenbürger Hermann Levi rehabilitieren

Sehr geehrte Frau erste Bürgermeisterin,

seit Ihrem Amtsantritt vor viereinhalb Jahren warten viele Bürger und ich in unser Gemeinde und darüber hinaus geduldig darauf, daß Sie endlich wieder Recht für einen jüdischen Ehrenbürger schaffen, dessen Ehre von den Nazis geschändet wurde.

Gemeinsam mit dem Vorstand des Fremdenverkehrsvereins Garmisch-Partenkirchen fordere ich, den Partenkirchner Kurpark nach Hermann Levi zu benennen.

Erneut werden wir von Ihnen vertröstet und zwar mit einer – sagen wir es freundlich – sehr geheimnisvollen Aussage.

Ich halte davon nichts Gutes, genauso wenig wie der „Nordbayerische Kurier“, dessen Bericht ich Ihnen anliegend übersende. Den Kommentar dazu können Sie selbst anklicken. Dieser ist nicht sehr freundlich für unsere Heimat, deren oberste Hüterin Sie sein sollten.

Ich erwarte von Ihnen schlicht und einfach folgendes:

Hermann Levi war Ehrenbürger des Marktes Partenkirchen, dessen Rechtsnachfolger seit 1936 der Markt Garmisch-Partenkirchen ist. Nach Hermann Levi eine Partenkirchner Straße benannt. Dieses ehrenvolle Gedenken an einen großen Künstler, Freund Richard Wagners und Lehrer Richard Strauss‘, wurde von den Nazis 1935 geschändet.

Der Markt Garmisch-Partenkirchen muß Hermann Levi nach über 70 Jahren schnellstens wieder rehabilitieren und zu seinem damals gegebenen Wort stehen. Er muß die Nazis überwinden, gerade jetzt, wo Fremdenhaß und Antisemitismus wieder keck werden.

Wenn Sie es nach viereinhalb Jahren im Amt nicht schaffen, das wiedergutzumachen, also weiter aussitzen, dann machen Sie sich gemein mit Leuten, die von rechtsaußen Deutschland Übel wollen.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Schröter. (16.09.18)
https://www.nordbayerischer-kurier.de/inhalt.bayreuther-fes…

Sehr geehrter Herr Schröter,
vielen Dank für Ihre Mail, auf die ich Ihnen wie folgt gerne kurz antworten darf.
Bei der Nichtaufsetzung Ihrer Anträge zum o.G. Thema in der Tagesordnung der kommenden Sitzung am 19. September handelt es sich nicht wie von Ihnen angenommen um ein Missverständnis. Wir arbeiten derzeit noch intensiv an einer Gesamtkonzeption zu dieser Thematik und haben eine Behandlung zusammen mit Ihren Anträgen für die Sitzung im Oktober vorgemerkt. Ich bitte Sie daher noch um etwas Geduld.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Sigrid Meierhofer
1. Bürgermeisterin (12.09.18)

Sehr geehrte Frau erste Bürgermeisterin,
mit heutiger elektronischer Post haben Sie die Einladung für die Sitzung des Marktgemeinderats am 19.09.18 versandt.

Ich vermisse höchst erstaunt in der TO die Beratung meines Antrags zur Ehrung Hermann Levis. Der Antrag liegt Ihnen seit Monaten vor.

Ich gehe davon aus, daß es sich um ein Mißverständnis handelt, daß Sie mithin vergessen haben, diesen Antrag aufzusetzen. Ich hoffe, daß Sie dieses Mißverständnis in den nächsten Tagen bereinigen werden.
Immerhin hat sich der Hauptausschuß bereits am 25.07.18 mit dem Antrag befaßt. Die Bürger gehen nach der Berichterstattung in unserer Zeitung davon aus, daß jetzt im September die Beschlußfassung erfolgt. Vor kurzem hat sich auch der Vorstand des Fremdenverkehrsvereins für die Ehrung Levis im Rahmen der Erinnerungskultur ausgesprochen.

Auch nach der für uns Mitglieder des Gemeinderats schlechten Berichterstattung selbst in der überregionalen Presse – siehe SZ vom 19.07. „Das Unehrengrab von Partenkirchen“ – sollte jetzt für die vollständige Wiederherstellung der Würde des Ehrenbürgers von Garmisch-Partenkirchen notfalls gestritten und auf jeden Fall beschlossen werden. Das weitere Aussitzen dieser Sache ist unselig und – gerade vor den Landtagswahlen – nur Wasser auf die Mühlen derjenigen, die das würdige Gedenken an einen jüdischen Mitbürger verhindern wollen.

Die Stellungnahme der FDP/Werdenfelser Liberale finden Sie nachstehend.
Mit besten Grüßen

Martin Schröter, Mitglied des Marktgemeinderats (11.09.18)
www.fdp-gap.de


Neueste Nachrichten

Zur Werkzeugleiste springen